Neue Publikation: Was Abdrift und Abbau von Pestiziden im Feld über die Zulassungspraxis verraten

Pflanzenschutzmittel werden auf dem Acker ausgebracht, doch wo landen sie tatsächlich, und wie lange bleiben sie dort? Eine neue Studie in Environmental Sciences Europe geht dieser Frage unter realen Bedingungen nach. Untersucht wurde eine reguläre Anwendung von einem Insektizid (Pirimicarb) und drei Fungiziden (Bixafen, Fluopyram, Prothioconazol) auf drei Winterweizenschlägen in der südlichen Pfalz. Ausgebracht nach guter fachlicher Praxis, mit 90 % abdriftmindernden Randdüsen und bei nahezu optimalen Wetterbedingungen (Windgeschwindigkeit unter 1 m/s). Beprobt wurden Petrischalen sowie Boden- und Vegetationsproben in den angrenzenden Wiesen in 1, 5 und 20 m Entfernung, der Abbau wurde über bis zu 128 Tage verfolgt.

Das Ergebnis ist bemerkenswert: Während die Abdriftraten in den Petrischalen, dem Standardverfahren der Zulassung, durchweg unter den Eckwerten blieben, wurden diese Referenzwerte in den Umweltproben (Boden und Vegetation) in mehreren Fällen überschritten. Petrischalen bilden die tatsächliche Belastung angrenzender Lebensräume also offenbar nur begrenzt ab, da strukturierte Vegetation Wirkstoffe deutlich anders abfängt und zurückhält als eine glatte Glasoberfläche. Hinzu kommt: In den Proben fanden sich neben den ausgebrachten Substanzen bis zu 43 weitere Wirkstoffe, die während des Versuchs gar nicht angewendet worden waren. Die Belastung der Flächen ist damit kumulativ und speist sich aus einem landschaftsweiten Hintergrund.

Auch der Abbau verlief anders als erwartet. Für viele Substanz-Matrix-Kombinationen ließen sich keine DT50-Werte berechnen, weil die Konzentrationen nicht kontinuierlich abnahmen, sondern schwankten oder zwischenzeitlich wieder anstiegen, ein Hinweis auf ständigen Neueintrag aus der Umgebung. Diese sogenannte Pseudopersistenz führt dazu, dass Rückstände auch dort dauerhaft präsent bleiben, wo sie nie ausgebracht wurden. Das an unserem Institut entwickelte Modell MITAS erwies sich dabei als geeignet, die Summenkonzentration der ausgebrachten Mischung im Boden realistisch abzubilden.

Die Studie unterstreicht, dass standardisierte Zulassungsszenarien die Exposition in angrenzenden Nichtzielflächen nicht vollständig erfassen. Feldmessungen mit landschaftsbezogenen Expositionsszenarien bleiben daher eine notwendige Ergänzung zu Modellansätzen der Umweltrisikobewertung.

Honert, C., Sybertz, A., Jäger, U., Roß-Nickoll, M. & Brühl, C. A. (2026): Field measurements of pesticide drift and dissipation and regulatory exposure assumptions. Environmental Sciences Europe 38: 141. doi.org/10.1186/s12302-026-01478-6

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